Die Ausstellung

Die historische Schachtanlage (Außenanlage)
Den Mittelpunkt des Museums bildet die historische Schachtanlage „Gute Hoffnung“ aus dem Jahre 1962, in der bis zum Jahre 1979 Ton gefördert wurde. Sie ist das letzte architektonische Zeugnis des unterirdischen Tonabbaus im Westerwald und in Deutschland.
Unter dem Dach der Schachtanlage wird der historische Tonbergbau vom Glockenschacht bis zum Abbau im Stollen Ende der 1970er Jahre mittels großformatiger Bild- und Texttafeln dokumentiert. Ebenso werden die Besucher über die geologische Entstehungsgeschichte der Westerwälder Tonlagerstätten informiert. Weiterhin geben in einer Dauerausstellung Werkzeuge und Maschinen einen authentischen Einblick in die schwere Arbeit der Tongräber. Zu sehen sind u.a. eine originale Haspel, die im Glockenschacht eingesetzt wurde, sowie die dazugehörigen Handwerkzeuge „Hau, Stech und Spieß“.
Spezielle Abbaumaschinen unter und über Tage, wie Pressluftspaten, Fräslader und Tonpflug sind weitere Exponate. Grubenloks mit den dazugehörigen Kipploren ergänzen die umfangreiche Ausstellung historischer Tonbergbaumaschinen.
In einem nachgebauten und begehbaren Stollen können die Besucher den Arbeitsplatz der Tongräber unter Tage realistisch nachspüren. Ein Blick in den ehemaligen, rund 40 m tiefen, Schacht ist ebenfalls möglich.

Moderner Tonbergbau (Museumspavillon)
Im Museumspavillon dreht sich alles um den modernen Tonabbau mit den Schwerpunkten Abbautechnik, Rohstoffanalyse, Tonaufbereitung, Tontransport bis hin zur Rekultivierung von ehemaligen Tongruben.
Der Westerwälder Tonbergbau hat auch heute noch seine Bedeutung, die weit über die Region hinausreicht. Die Tone finden auf Grund ihrer speziellen Eigenschaften in unterschiedlichen Aufbereitungsstufen Anwendung in ganz Europa.
Neben der klassischen Verwendung als Rohstoff für die unterschiedlichsten keramischen Produkte im Wohnungsbau gibt es zahlreiche, eher unbekannte, Einsatzmöglichkeiten. Die Tone dichten Deponien an der Oberfläche und im Untergrund ab, werden bei der Abdichtung von Trinkwasserbrunnen eingesetzt, verbessern den Brandschutz in Gebäuden und verleihen Klebstoffen und Kautschukbauteilen im Automobilbau neue technische Eigenschaften.
Mit Hilfe von Bildtafeln, Texten, QR-Codes und vielfältigen Exponaten aus den Bereichen keramischer Produkte und Spezialanwendungen wird der Besucher über die ganze Bandbreite der Tonanwendungen umfassend informiert. Die Informationen erlauben eine eigenständige Besichtigung des Museumspavillons.
Der Rundgang beginnt
mit einer kurzen Einführung in die Geologie und die Entstehung der Tonlagerstätten. Anhand eines Bohrkerns (Original-Durchmesser) wird im Maßstab 1 : 100 die Schichtung einer Tonlagerstätte mit den durch verschiedene Elementoxide (Titan, Eisen) eingefärbten Tonschichten erklärt. Interessierte Besucher können an dieser Stelle umfangreiche Details über die Entstehung der Lagerstätten, die Besonderheiten der verschiedenen Tonqualitäten und deren Verwendung erfahren. Dass Ton nicht nur im Westerwald gewonnen wird, sondern es auch zahlreiche Vorkommen im gesamten Bundesgebiet gibt, wird mit einer Lagerstättenkarte verdeutlicht. Die Minerale Ton und Basalt gehören zum Westerwald. In der letzten eruptiven Phase vor ca. 10 Mio Jahren haben sich magmatische Massen ihren Weg durch den Ton gebahnt und teilweise überlagert (Abraum). Das Bild von einem Schlot auf der Grube Esther zeigt, wie die glühende Lava die Tonlagerstätte durchstoßen und den gelben Ton im Randbereich gebrannt hat.
Lagerstätten-
erkundung
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Grubenfelder auf kleinen Flächen gehalten, und eine Erweiterung nur dann vom Bergamt zugelassen, wenn das bisherige Feld ausgebeutet war. Zur Bestimmung neuer Tonlager brachten viele Tongräber Schächte nieder, um sofort mit der Tonförderung beginnen zu können, wenn sie fündig wurden. Andere bohrten mit provisorischem Gerät, um sich die schwere, zeitraubende Arbeit des Schachtabteufens zu ersparen. Dennoch war das Bohren sehr mühselig (Bild ). Heute wird mit modernen, automatischen Kernbohrgeräten auf Selbstlauflafette gearbeitet. Die neueste Gattung kann von einem Mann bedient werden und erreicht mühelos 100 m Tiefe.
Neben dem Thema Tonbelehnungen – eine Besonderheit im Herzogtum Nassau – werden noch die Landvermessung und markscheiderische Arbeiten im ersten Ausstellungsabschnitt behandelt.
Die Entwicklung der Gewinnungstechnik
Über die verschiedenen Stollentypen und Ausbauformen, vom Glockenschacht bis hin zum modernen Tagebau, wird die gesamte technische Entwicklung im Tonbergbaus – auch für Laien verständlich – demonstriert. Viele Gruben, die heute im Tagebau bewirtschaftet werden, sind bereits schon einmal untertägig abgebaut worden. Durch die Abbautechnik Glockenschacht und Tiefbau waren Sicherheitsabstände notwendig, die zu hohen Abbauverlusten führten. Beim Glockenschacht konnten z. B. nur maximal 50 % des theoretisch gewinnbaren Tones tatsächlich gefördert werden. Aufgrund der hohen Abbauverluste und des hohen Unfallrisikos wurde diese Technik 1942 verboten. In Tagebauen stößt man immer wieder auf Relikte dieser alten Abbaumethoden.
Rekultivierung und Folgenutzung
Den Themenschwerpunkt im Bereich Rekultivierung und Folgenutzung bildet die Ausstellung über den ehemaligen Tontagebau Straubinger in Moschheim. Zum ersten Mal konnte die Geschichte eines Tagebaus komplett dokumentiert werden. Seit 1917 wurden dort ca. 2,5 Mio t Ton selektiv gefördert. 1978 begann der Betreiber, WBB Fuchs, mit der Verfüllung und systematischen Rekultivierung in Form einer Aufforstung. Die insgesamt 29,6 ha (Gesamtfläche laut Rekultivierungsplan) werden zukünftig wie folgt genutzt: 15,70 ha Laubmischwald, 4,90 ha Sukzessionsflächen, 0,95 ha Landschaftsteich sowie 8,00 ha betriebliche und gewerbliche Nutzung. Mit Plänen, Fotos und schriftlichen Dokumenten wird dieser Themenbereich anschaulich dargestellt.
Im Außenbereich
befinden sich eine Reihe restaurierter historischer Geräte. Vom Fräslader über Schachtnachbauten bis zu Arbeitsgeräten kann Vieles besichtigt werden und darf auch angefasst werden. Das ehemalige Maschinenhaus ist komplett restauriert und lässt den Besucher erahnen, wie hier einst gearbeitet wurde.
Tagesanlagen mit Hochrampe
Die Einweihung der Schachtanlage Gute Hoffnung war am 10. Dezember 1961. Über einen 38 m tiefen Senkrechtschacht wurden pro Schicht über verschiedene Förderstrecken 50–60 t weißbrennende keramische Tone gewonnen. Von 1962–1979 (Stillegung wegen Unwirtschaftlichkeit) waren hier 20 Mann in 2 Schichten beschäftigt.